„Wenn sich Experten zu Nachhaltigkeit und Digitalisierung treffen, dann kann daraus ein kraftvoller und gemeinsamer Weg entstehen.“

Gemeinsam mit den sustainable natives (www.sustainablenatives.com) und den elaboratum-Experten für digitales Business (www.elaboratum.de) hat der Fährmann in einem exklusiven Workshop das Potenzial in Sachen Nachhaltigkeit und Digitalisierung ausgelotet. Wir haben uns der Frage gestellt:

Ist die große Nachhaltigkeitstransformation digital?

Ob Digitalisierung nachhaltig gestaltet werden sollte oder Nachhaltigkeit digital – nur gemeinsam wird ein Schuh draus. Uns hat neben dem inspirierenden Workshop mit elaboratum jüngst in München das aktuelle Gutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ des WBGU (Wissenschaftlicher Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen) sehr beschäftigt. Grund genug also einen Blogbeitrag daraus zu machen.

Im Großen und Ganzen liegen in der Digitalisierung klare Chancen, das betont auch der WBGU. Denn digitale Umbrüche verändern das Spielfeld gesellschaftlicher Entwicklung grundlegend. So begünstigen die Kerncharakteristika des Digitalen Zeitalters – Vernetzung, Kognition, Autonomie, Virtualität und Wissensexplosion – prinzipiell den Wandel.

Dank der Digitalisierung werden Entwicklungen denkbar und möglich, die gerade aus Sicht der Nachhaltigkeitstransformation von großer Bedeutung sind. Da rücken die global vernetzte Zivilgesellschaft oder die Entstehung eines Weltumweltbewusstseins in den Vordergrund. Themen wie Ressourceneffizienz und Emissionsreduktionen, Kreislaufwirtschaft oder auch der Schutz von Ökosystemen lassen sich mit digitaler Unterstützung wesentlich leichter und schneller erreichen.

In der Digitalisierung liegt also ein massives Modernisierungspotenzial für unsere Gesellschaft und unseren Planeten. Sie liefert den Menschen zusätzliche Tools, mit denen sie sich selbst fundamental transformieren können. So findet vernetzt zusammen, was in Sachen Nachhaltigkeit zweifellos zusammengehört: individuelles und kollektives Handeln.

Soweit – so gut. Und nun?

Digitalisierung ist eine verantwortungsvolle, gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe. Dabei geht es ebenso um die Modernisierung einer digitalen Gestaltungsfähigkeit öffentlicher Institutionen, wie um eine Digitalisierungskompetenz jedes einzelnen. In der Kombination entsteht so eine Grundlage, aus der heraus sich eine notwendige Nachhaltigkeitstransformationen überhaupt erst ernsthaft angehen lässt.

Doch die Realität ist eher geprägt von einer Überforderung der Gesellschaften. Fake News, Vertrauensverlust in datengetriebene Angebote, eine angemessene Besteuerung von in Digital-Räumen agierenden Unternehmen sowie übermächtige Privatpersonen oder staatliche Einrichtungen – all das hemmt das Innovationspotenzial der Digitalisierung.

Hinzu kommt: Die Digitalisierung selbst lässt sich nicht automatisch in nachhaltige Transformationen übersetzen. Ökosysteme wurden u. a. durch Entwicklungen wie das Internet, die zunehmende Produktionsautomatisierung oder auch vielfältige Endgeräte mit einem immer höheren Energie- und Ressourcenverbrauch zusätzlich massiv belastet.

Digitaler und nachhaltiger Wandel brauchen starke Leitplanken

Für eine gesunde Entwicklung brauchen wir unbedingt die Einbettung des digitalen Wandels in ein starkes Normen- und Wertesystem. Wie der WBGU sind auch wir überzeugt, dass die Digitalisierung sehr eng mit nachhaltigen Leitbildern und einer nachhaltigen Politik verknüpft und verzahnt werden muss, damit die Chancen überwiegen können. Und dass es aktuell mehr denn je darum geht, die Möglichkeiten einer digital getriebenen Nachhaltigkeitstransformation voll umfänglich zu mobilisieren.

Etwas mehr Euphorie könnte nicht schaden, vor allem da ein Blick auf unsere Startposition recht nüchtern ausfällt. Daher nun in aller Kürze die Einschätzung des WBGU bzgl. der aktuellen Verzahnung von Digitalisierung und Nachhaltigkeit:

  • Die Möglichkeiten der Digitalisierung werden derzeit unzureichend für die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 genutzt.
  • Es gibt zu wenig Forschung darüber, wie der digitale Wandel die Nachhaltigkeitstransformationen beeinflussen kann.

Der WBGU fordert angesichts dieser Erkenntnisse vorrangig zwei Kurskorrekturen:

  • Die Diskussion zur Nachhaltigkeitstransformation muss sich verändern – die Dynamiken der Digitalisierung mit Chancen und Risiken müssen darin berücksichtigt werden.
  • Die Digitalisierungsforschung muss mit den großen Nachhaltigkeitsherausforderungen verknüpft werden.

Wer mehr wissen möchte: Hier geht es zum Download der Zusammenfassung des WBGU-Gutachtens „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“.